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Heinrich Heine - Auf Flügeln des Gesanges

Text: Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort liegt ein rotblühender Garten
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen,
Und schaun nach den Sternen empor;
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazelln;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Welln.

Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken,
Und träumen seligen Traum.
Epoche: Romantik
Gattung: Volkslied
Versmaß:
Reimschema: Kreuzreim
a-b-a-b
Gedichtanalyse:

Das Gedicht "Auf Flügeln des Gesanges" von Heinrich Heine besteht aus fünf Strophen mit je vier Versen. Es liegt ein Kreuzreim mit alternierender Kadenz vor. Der erste und dritte Vers jeder Strophe hat eine weibliche, der zweite und vierte Vers jeweils eine männliche Kadenz. Das Metrum ist nicht einheitlich und es liegen sowohl Trochäen als auch Daktylen vor.

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Interpretation:

Der Titel des Gedichts beinhaltet eine Metapher, die Inhalt des ganzen Gedichts ist. Durch die Flügel wird der eigentlich nicht greifbare Gesang verdinglicht bzw. in ein Lebewesen verwandelt. Im ersten Vers spricht das lyrische Ich davon, dass es eine mit „Herzliebchen“ angesprochene weibliche Person auf den Flügeln des Gesanges fort trägt. Damit wird angedeutet, dass das lyrische Ich ein Lied singt. Mit seinem Lied führt das lyrische Ich das angesprochene Du zum „schönsten Ort“. Dieser wird durch die Reimhäufung mit Endreim im zweiten und vierten sowie mit Anfangsreim im dritten, vierten und fünften Vers betont (fort, dort, Ort).
Die Anrede „Herzliebchen“ gehört genauso zum typisch romantischen Wortschatz wie Gesang, Mondenschein, nach den Sternen empor, heimlich, Ferne, Ruhe, träumen und Traum.
In den Strophen 2-4 wird der in der ersten Strophe angesteuerte schönste Ort näher beschrieben. Hierbei tritt das lyrische Ich und das angesprochene Du nicht mehr in Erscheinung. Es ist aber denkbar, dass mit dem „trauten Schwesterlein“, das die Lotosblüten erwarten, das „Herzliebchen“ der ersten Strophe gemeint ist. Des Weiteren fallen die Strophen 2-4 durch eine reichhaltige Nutzung bekannter romantischer Formen auf. Die ganze Passage wirkt geradezu märchenhaft. In der letzten Strophe wird nochmals auf das „dort“ der vierten und fünften Strophe aufgegriffen und es taucht auch wieder der bezug zum lyrischen Ich auf, diesmal in dem Personalpronomen „wir“. Das lyrische Ich möchte zusammen mit seiner Angebeteten diesen Ort genießen. Dass der angedeutete Ort in Wirklichkeit nicht existiert lässt sic h aus dem abschließend genannten Traum und träumen sowie aus der Tatsache ableiten, dass man den Raum nur durch den Gesang erreichen kann.

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