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| Daten | |
| Titel: | Mein Platz ist Prag |
| Genre: | Historischer Roman |
| Verlag: | Wiedenverlag Crivitz |
| ISBN: | 978-3-9811832-9-0 |
| Homepage: | |
| Inhalt | |
| Handlung: | |
| Leseprobe: | "Was sind das für Zeiten, in denen wir leben", sagte Herr Starost düster an jenem Tag, mehr als ein halbes Jahr nach dem Slánský-Prozess und einige Wochen nach der Währungsreform, scheinbar jetzt zusammenhanglos. "Was ist das nur für ein Leben? Ist es das, wofür wir gekämpft und überlebt haben? Bin ich dafür aus Theresienstadt zurückgekommen, um das hier heute zu erleben?" "Aber Sie haben überlebt", sagte Frau Výletová. "Und Sie werden weiterhin alles tun, um zu überleben. Das müssen Sie mir versprechen." "Oh, meine arme tschechische Heimat, wie musst du noch einmal so leiden." "Ihr müsst wissen", hatte Tante Elika den Mädchen später erklärt, "Herr Starost ist Jude. Die Nationalsozialisten haben seine ganze Familie umgebracht. Immer wieder in der Weltgeschichte wurden die Juden verfolgt und ermordet. Darum hat Herr Starost manchmal besonders viel Angst, viel mehr noch als wir." Aber wenn er Jude ist, hatte Rusalka verwirrt gedacht, dann glaubt er doch an Gott. Das wusste sie von Vater und Mutter. Die Juden gehen nicht in die Kirche, so hatten die Eltern Rusalka erklärt, die Juden beten zu Gott in einem Haus, das Synagoge heißt. Als könnte Frau Výletová ihre Gedanken erkennen, hatte sie weitergesprochen: "Es gibt viele Menschen, ob Christen oder Juden, die ihren Glauben verloren haben in den Lagern, mit Hunger, Kälte und Tod. Die Menschen reagieren unterschiedlich. Ich kenne eine alte Frau, die wurde überfromm und spricht nur noch in Bibelzitaten." Diese Vorstellung war schon sehr befremdlich. Die Mädchen blickten einander an. "Manche Menschen sagen eben von sich: Ich glaube an gar nichts mehr. So einer ist wohl unser Herr Starost." Die Mädchen nickten ernst. Nun konnten sie sich ihn ganz anders vorstellen. "Übrigens gehörte seine Familie niemals zu den Großkapitalisten", fuhr die Tante fort. "Es waren kleine Leute, die um 1890 aus der Provinz nach Prag kamen, weil sie sich hier für ihre Kinder eine bessere Zukunft erhofften. Bildung galt ihnen als das höchste Gut, die Familie war mehrsprachig. Wie ich von Herrn Starost weiß, sprachen sie zu Hause wie selbstverständlich Tschechisch, Ungarisch und Deutsch. Das Deutsche war ihre Muttersprache. Ja, sie waren Deutsche, und sein Name Starost ist eine wörtliche Übersetzung aus dem Deutschen: Sorge. Seine Familie hieß ursprünglich Sorge und änderte um die Jahrhundertwende ihren Namen ins Tschechische. Mehr konnten sie wahrlich nicht tun, um ihre Verbundenheit mit dem Tschechentum zu bezeugen. Die Eltern von Herrn Starost, müsst ihr wissen, waren glühende Patrioten und ebenso glühende Sozialisten. In dieser Weltanschauung sahen sie ihr Heil, sahen hier endlich ihre Hoffnung verwirklicht auf Gleichheit und Anerkennung ein Trugschluss, wie sich erst später zeigen sollte. Doch wer konnte das damals schon wissen? Ihrem Sohn gaben die Eltern den schönen tschechischen Namen Vítek der Sieger." |
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