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| Titel: |
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge |
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| Gattung: |
Tagebuchroman |
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| Stoffe: |
Der verlorene Sohn
Die Parabel vom verlorenen Sohn stammt ursprünglich aus dem Lukasevangelium. Ein Sohn bittet seinen Vater, dass er seinen Erbteil erhält und zieht in die Welt hinaus. Dort aber nutzt er sein Geld sehr verschwenderisch, so dass er am Ende reuig zu seinem Vater zurück kehrt. Der Vater nimmt den Sohn liebevoll wieder auf. Rilke hat sich bei seiner Umsetzung vorwiegend an der Verarbeitung des Stoffes von André Gide ("Le Retour de l'enfant prodigue") orientiert.
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| Motive: |
Der "eigene" Tod
Die Idee, einen eigenen Tod zu haben, wird oft als typisch Rilke'sche Erfindung angesehen. Aber es ist anzunehmen, dass er dieses Prinzip bei Leo Tolstoi, den er auch persönlich kannte, entdeckt und von ihm übernommen hat.
Denn Tolstoi erwähnt in seinem bereits 1886 erschienenen Werk "Der Tod des Iwan Iljitsch" den "eigenen" Tod, der das Ende
des Lebens erst zu etwas Besonderem macht. "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" erschien erst im Jahre 1910. Darin heisst es auf den
ersten Seiten im Eintrag am 11. September: "Wer giebt heute noch etwas für einen gut ausgearbeiteten Tod? Niemand. Sogar die Reichen, die
es sich doch leisten könnten, ausführlich zu sterben, fangen an, nachlässig und gleichgültig zu werden; der Wunsch, einen
eigenen Tod zu haben, wird immer seltener. Eine Weile noch, und er wird ebenso selten sein wie ein eigenes Leben." Rilke war auch privat
für einen "eigenen" Tod und lehnte zeit seines Lebens Schmerzmittel ab, da er nicht den Tod der Ärzte sterben wollte.
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Puppen
Das Motiv der Puppen ist eines der wichtigsten in Rilkes Werk. Es findet sich bereits in der 1899 verfassten Erzählung "Frau Blaha's Magd". Eine besondere Beschäftigung mit dem Thema zeigt Rilke in den Jahren 1914 und 1915 mit dem Abfassen des Aufsatzes Puppen: Zu den Wachspuppen von Lotte Pritzel und der Ausgestaltung der vierten Duineser Elegie. Aber bereits in seinen Überlegungen zu Maurice Maeterlinck erwähnt Rilke, dass dessen Dramen für Marionetten gemacht sind, da diese ein Gefühl intensiver und ausdauernder als Menschen darstellen können.
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| Symbole: |
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| Themen: |
Großstadt Paris
Die Großstadt Paris ist der neue Lebensraum des Malte. Wir erfahren nicht, warum er hierher gekommen ist. Es wird ein Gegensatz zum Landleben aufgebaut. Auf dem Land stirbt man für Malte einen persönlichen, „eigenen“ Tod, in der Großstadt einen fremden Tod. Es wird schon in der 1. Aufzeichnung deutlich, dass Malte die Großstadt Paris auf Todes- und Elendsdarstellungen reduziert: "So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier." Und: „Aber ich habe auch offene Droschken ankommen sehen, Zeitdroschken mit aufgeklapptem Verdeck, die nach der üblichen Taxe fuhren: Zwei Francs für die Sterbestunde.“ In anderen Aufzeichnungen berichtet Malte sogar explizit von Sterbenden, die er in der Stadt beobachtet. Es finden sich aber auch wie in anderen Großstadtdarstellungen der Zeit (s. Berlin Alexanderplatz) Hinweise auf das modernisierte Leben: „Daß ich es nicht lassen kann, bei offenem Fenster zu schlafen. Elektrische Bahnen rasen läutend durch meine Stube. Automobile gehen über mich hin. Eine Tür fällt zu.“ (1. Aufzeichnung) Diese Passagen erinnern, wenn auch nur rudimentär an die Montagetechnik Alfred Döblins.
Eine weitere interessante Aufzeichnung zur Großstadt Paris ist die folgende, in denen er aquf den Einfluss, den die Stadt auf ihn hat, eingeht: „Ich bin in Paris, die es hören freuen sich, die meisten beneiden mich. Sie haben recht. Es ist eine große Stadt, groß, voll merkwürdiger Versuchungen. Was mich betrifft, ich muß zugeben, daß ich ihnen in gewisser Beziehung erlegen bin. Ich glaube, es läßt sich nicht anders sagen. Ich bin diesen Versuchungen erlegen, und das hat gewisse Veränderungen zur Folge gehabt, wenn nicht in meinem Charakter, so doch in meiner Weltanschauung, jedenfalls in meinem Leben. Eine vollkommen andere Auffassung aller Dinge hat sich unter diesen Einflüssen in mir herausgebildet, es sind gewisse Unterschiede da, die mich von den Menschen mehr als alles Bisherige abtrennen. Eine veränderte Welt. Ein neues Leben voll neuer Bedeutungen. Ich habe es augenblicklich etwas schwer, weil alles zu neu ist. Ich bin ein Anfänger in meinen eigenen Verhältnissen.“
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| Inhaltsangabe: |
Der einzige Roman Rainer Maria Rilkes Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge besteht aus 71 Aufzeichnungen, in denen der mittellose Däne Malte in Tagebuchform seine Erlebnisse in der Großstadt Paris schildert. Der Leser erfährt nicht, warum Malte nach Paris gekommen ist und erfährt über verschiedene Ereignisse, die Malte in Paris erlebt, einiges über dessen Vergangenheit und Gedankenwelt. Insgesamt fällt auf, dass Handlungen im Pariser Alltag Maltes nur spärlich erzählt werden und der Roman sich in der Gedanken- und Erinnerungswelt des Ich-Erzählers abspielt. Malte versucht verschiedene Thematiken in seinen Gedanken zu bearbeiten. Einerseits ist ein Hauptthema das Sterben. Malte nimmt die Großstadt Paris als Stadt der Sterbenden und „Fortgeworfenen“, wie er die ausgestoßenen und mittellosen Mitglieder der Gesellschaft nennt, wahr. Der Tod ist in Paris für Malte allgegenwärtig, wie bereits in der 1. Aufzeichnung deutlich wird: „Aber ich habe auch offene Droschken ankommen sehen, Zeitdroschken mit aufgeklapptem Verdeck, die nach der üblichen Taxe fuhren: Zwei Francs für die Sterbestunde.“ Er berichtet bei der Behandlung des Themas „Tod“ von drei Toden in seiner eigenen Erinnerung, dem des Großvaters, der Mutter und des Vaters. In den weiteren Gedankenäußerungen Maltes werden auch Tode anderer, berühmter Persönlichkeiten näher erläutert (z.B. 46. Aufzeichnung: Der Tod Christians IV.).
Die Wirklichkeit der Stadt Paris erschüttert Malte sehr intensiv, wie sie auch Rilke erschüttert hat, als er nach Paris kam, um seine Monografie über Auguste Rodin zu schreiben. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass man in Rilkes Briefen Aufzeichnungen findet, die fast identisch in den Malte übernommen wurden.
Höhepunkt der Überlegungen Maltes ist die Erzählung der Legende vom verlorenen Sohn als „die Legende dessen ist, der nicht geliebt werden wollte.“ in der 71. Aufzeichnung. |
| Analyse: |
Das vorliegende Buch ist von Jens Peter Jacobsons „Niels Lyhne“ beeinflusst worden. |
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| Lese-Faktor |
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| Figuren: |
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| Dialoge: |
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| Gesamt: |
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| Fazit: |
Der Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" von Rainer Maria Rilke gilt als der erste moderne Roman deutscher Sprache. |
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Zum Buch |
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| Sekundärliteratur |
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Ajouri, Philip (2009): Literatur um 1900. Naturalismus, Fin de Siècle, Expressionismus. Berlin: Akad.-Verl. (Akademie StudienbücherLiteraturwissenschaft). (Bestellen)
Engel, Manfred; Lauterbach, Dorothea (2004): Rilke-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart: Metzler. (Bestellen)
Kant, Roswitha M.: Visualität in Rainer Maria Rilkes Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge: Eine Untersuchung zum psychoanalytischen Symbolbegriff, Peter Lang, Frankfurt, 2002.(Bestellen)
Leeder, Karen J; Vilain, Robert (2010): The Cambridge companion to Rilke. Cambridge: Cambridge University Press (Cambridge companions to literature). (Bestellen)
Stahl, August: Rilke - Kommentar zu den Aufzeichnungen der Malte Laurids Brigge, Winkler, München, 1990. (Bestellen)
Stephens, Anthony R.: Rilkes Malte Laurids Brigge. Strukturanalyse des erzählerischen Bewusstseins, Verlag Herbert Lang & Cie AG, Bern & Frankfurt, 1974. (Bestellen)
Warning, Rainer: Pariser Heterotopien: Der Zeitungsverkäufer am Luxembourg in Rilkes "Malte Laurids Brigge", Bayerische Akademie der Wissenschaften, 2003. (Bestellen)
Völtz, Heide et al.: "Realität" und "Fiktion" aus systemtheoretischer Perspektive in Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" und "Duineser Elegien", Akademischer Verlag Stuttgart, 2006. (Bestellen)
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