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Wie sieht Ihre bisherige Romanidee aus? Haben Sie eine Handlung im Kopf und wollen diese zu einem Roman ausarbeiten? Oder schwebt Ihnen eine Figur vor, um deren Leben sich Ihre Geschichte drehen soll? Das generelle Problem ist, dass man als Anfängerautor die eigene Idee nur schlecht ausgearbeitet hat. Deswegen sollten sie sich weitere Gedanken machen. Als Beispiel dient mir der Roman Effi Briest von Theodor Fontane. Ehe ich ein Stöhnen vernehme, aufgrund den Erinnerungen an Ihre Schulzeit, sollten sie bedenken, dass dieser Roman trotz allem ein grandioses Buch ist.
Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, Fontane hatte die Idee einen Roman über eine junge Frau zu schreiben, die aufgrund einer Affäre von ihrem Mann verstoßen wird. Diesen kleinen Handlungsausschnitt könnte man nicht nur, wie hier, in einem Satz, sondern auch ausführlicher mit ein paar Seiten umschreiben. Dann hätte man eine schöne, kleine Geschichte. Aber noch keinen Roman! Woher kommt also der wortgewaltige Roman? Effi Briest hat immerhin ca. 350 Seiten (je nach Größe des Drucks). Also kann die erste Idee ja nicht alles sein. Richtig erkannt! Sie müssen Personen hinzufügen, die eine wichtige Rolle spielen. In dem Fall von Fontanes Roman kann man leicht zu Effi, ihrem Mann und ihrer Affäre ihre Eltern hinzufügen. Was gibt Ihre Idee her? Wollen sie über einen Banküberfall schreiben? Dann können sie Ihr Personenrepertoire um Bankangestellte, Geiseln und polizeiliche Ermittler erweitern. Die Handlung von Effi Briest wäre mit a) fremdgehen und b) verstoßen werden natürlich wenig ausgereift und genauso lesenswert. Zunächst möchte ich Ihnen eine einfache Formel an die Hand geben, bevor wir uns dem Plot widmen:
Wenn sie an den Banküberfall zurückdenken. Die Ideen a) und b) seien hier Banküberfall und Festnahme.
1. Davor: Die Bankräubertruppe merkt, dass sie keine Munition für ihre Waffen mehr hat, da sie alles in Proben verschossen haben
2. Dazwischen: Bei der Flucht verlieren die Bankräuber auf amüsante Weise die Beute und müssen sie wiederfinden.
3. Danach: Streitereien im Knast oder ein versuchter Ausbruch.
Die Ideen sind weit gefächert. Sie müssen nur Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ohne diese schöpferische Begabung wären Sie wohl kaum auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben.
Als Plot bezeichnet man als Literaturwissenschaftler gewöhnlich den Handlungsverlauf eines Prosawerkes. Bereits Aristoteles äußerte sich in seinem Werk "Poetik" zum Aufbau einer erzählenden Dichtung und erklärte:
Aristoteles legt einem Autor also nahe, eine Geschichte nicht mit Handlungen zu überfüttern. Es gibt immer eine Hauptidee, die sich durch das ganze Werk zieht und alle ergänzenden Details beziehen sich zwangsläufig auf diese eine Idee.In unserem vorliegenden Roman ist die Hauptidee die junge Frau, die Ehebruch begeht. Also sehen wir uns mal die nähere Ausstaffierung dieser Idee an.
Effi Briest beginnt mit der Verlobung zwischen Effi und Geert von Instetten. Wir begleiten das Paar auf ihre Hochzeitsreise und ihren gemeinsamen Wohnort in Kessin. Ebenso sind wir als Leser dabei, wenn das Kind der beiden zur Welt kommt und Effi ihre Affäre Major von Crampas kennen und lieben lernt. All das ist nicht unnötiges Beiwerk, sondern macht den Roman erst lesenswert. Theodor Fontane führt den Leser von der Verlobung der jungen Effi zur Katastrophe (und dem Höhepunkt des Romans) hin. Als Leser kann man sich in Effi hineinversetzen, da man sie auf den vorangegangenen 100 Seiten auf ihrem Lebensweg begleitet hat und sie vielleicht auch in ihrer Handlungsweise verstehen kann.
Auch wenn Sie keinen Liebesroman schreiben wollen, wissen Sie, dass Ihr Roman einige Seiten vor dem Höhepunkt anfangen und sich nur gemächlich auf diesen hin bewegen sollte. Man sollte nicht mit der Tür ins Haus fallen, damit der Roman nicht langweilig und platt erscheint. Nach der Affäre und der Verstoßung Effis ist der Roman keineswegs zu Ende. Wir haben Anteil an dem Duell zwischen dem gehörnten Ehemann und dem Liebhaber. Wir erfahren von Effis Krankheit und ihrem Tod.
Keinesfalls muss Ihr Buch auch mit dem Tod ihrer Romanfigur enden. Aber es sollte auch nicht nach dem Höhepunkt Schluss sein. Kehren wir zu unserem Banküberfall-Beispiel zurück. Wenn der Raub über die Bühne gegangen ist, ist das Buch hoffentlich nicht zu Ende.
Welches Ende passt in den Zusammenhang Ihres Romans? Falls Sie mehrere Ideen haben, schreiben Sie jede Möglichkeit auf und entscheiden Sie sich später. Denn die Wahl eines Romanendes hängt natürlich von der gesamten Konzeption Ihres Buches ab. Wenn Sie mit keinem Wort einen Gedanken an den Tod verschwenden, sollten Sie ihn nicht auf die letzte Seite Ihres Romans packen.
Um eine bessere Übersicht über Ihren Plot zu bekommen, sollten Sie sich einen Szenenplan entwickeln, in dem Sie festhalten, welche Handlung welche bedingt.