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Roman schreiben - Stoffe & Motive

Stoffe sind die grundsätzlichen Ideen, um die es in einem Roman geht. Motive sind wiederkehrende Strukturen, die helfen können, die Stoffe zu unterstützen. Symbole sind Figuren, Charaktere, Farben, Objekte, etc. die für eine abstrakte Idee stehen. Mit Motiven und Stoffen können Sie arbeiten, um Bezug auf ein bestimmtes Werk zu nehmen. Das Ganze nennt man dann Intertextualität. Diese Bezugnahme kann ganz simpel aussehen. Durch das Auftauchen eines Apfels können Sie Bezug auf Adam und Eva und den Sündenfall nehmen. Denn Sie hätten auch jede andere Frucht wählen können. Aber Ihre Protagonistin "beisst mit unschuldigem Blick in einen Apfel", das ruft gewisse Assoziationen hervor.

Natürlich sind Motive auch dazu da, wie meine Erklärung Ihnen offenbart, Stoffe des Romans zu unterstützen. Motive und Stoffe helfen Ihnen bei der Strukturierung Ihres Romans, sodass Sie eine Überfüllung vermeiden können. Im bereits erwähnten Roman von Jane Austen Pride and Prejudice gehört zum Beispiel der Stoff Liebe, wie für einen Liebesroman nicht untypisch, zum Repertoire. Daneben finden sich noch das Ansehen und die gesellschaftliche Stellung, da die beiden begehrenswerten Männer Mr Bingley und Mr Darcy zur oberen Gesellschaftsschicht gehören. Während die Töchter der Familie Bennet, z.B. durch Eskapaden der Schwester Lydia, mit ihrem gesellschaftlichen Rang zu kämpfen haben.

Zu den Motiven gehören z.B. die Reisen, da mit jeder getätigten Reise die Handlung fortschreitet und neue Sachverhalte ans Tageslicht kommen. Als Symbol sticht ganz klar Pemberley, das Anwesen von Mr Darcy hervor, das wie bei einem Vergleich seinen Charakterzügen gleichgestellt wird:

"Pemberley House, situated on the opposite side of a valley, into which the road with some abruptness wound. It was a large, handsome, stone building, standing well on rising ground, and backed by a ridge of high woody hills; --- and in front, a stream of some natural importance was swelled into greater, but without any artificial appearance. Its banks were neither formal, nor falsely adorned. Elizabeth was delighted. She had never seen a place for which nature had done more, or where natural beauty had been so little counteracted by an awkward taste. They were all of them warm in their admiration; and at that moment she felt, that to be mistress of Pemberley might be something!"

Dieses Symbol ist zudem auch noch entscheidend dafür, dass Elizabeth sich Ihrer Zuneigung für Darcy mehr und mehr Gewahr wird. Auch in anderen Romanen Jane Austens spielt der soziale Status der Figuren eine große Rolle. Wenn Sie sich eingehender mit Motiven, Stoffen und Symbolen beschäftigen, werden Sie feststellen, dass manche besser miteinander auskommen als andere.

In unserem Banküberfallbeispiel liegt auf der Hand, dass Geld eine große Rolle spielt und sollte demnach auch zu den Stoffen gehören. Man kann sich auch noch Sachverhalte wie Bildung vorstellen, da meist ein niedriger Bildungsstand Arbeitslosigkeit bzw. geringe finanzielle Mittel, mit sich führt. Wenn man wollte könnte man Kriminalität dazuholen als zentrales Thema, das auch durch Dialoge erörtert werden könnte, z.B. Was ist kriminell? Genauso mit der Vorstellung von Gerechtigkeit oder Moral. Wenn Sie nicht so nah an Ihrem Roman "kleben" wollen, können Sie auch andere Gefilde betreten und die Bankräuber über den Tod sinnieren lassen. Allerdings sollte dann Sterben auch zentral im Roman vorkommen, z.B. durch den Tod eines Bankräubers.

Sie sehen, das Ihnen generell keine Grenzen gesetzt sind. Sie müssen nur beachten, dass Sie mit Ihren Stoffen, Motiven und Symbolen auf einem Ozean bleiben und nicht gleich die ganze Welt bereisen. Ich bin oft mit der Aussage konfrontiert: "Aber die großen Schriftsteller haben sich bestimmt auch keine Gedanken gemacht, was bei Ihnen Symbole, Motive usw. sind." Das mag wohl stimmen, aber die von mir dargestellte Annäherung an diese Bestandteile des Romans soll Ihnen nur den Einstieg ins Schreiben erleichtern. Als Fontane seinen Roman schrieb, hat er bestimmt nicht mit Motiven gehadert. Als geübter Autor hat man einfach ein Bild im Kopf, worum es im Roman geht, also die Handlung und die Figuren, und was man inhaltlich rüberbringen will, also Stoffe und Motive. Nur dass man es nicht ganz so analytisch betrachtet. Es ist einfach ein normaler Handgriff, dass sich beim Schreiben Motive, Stoffe und Symbole in einem Roman zusammen finden. Das werden Sie mit mehr Schreiberfahrung auch noch feststellen. Wenn Sie allerdings vor dem Problem vieler Autoren stehen, dass Sie Ihren Roman mit 1000 Ideen füttern und der rote Faden verloren geht, sollte Ihnen dieses Kapitel eine Hilfe sein, den Themenkreis Ihres Werkes systematisch klein zu halten.

Folgende Literatur sollte in keinem Autorenregal fehlen: